Sonntag, 17. Februar 2013

Tormek T7 oder "Schärfen für Dummies"

Ich bin bekennender Maschinen-Freak, aber auch immer bedacht optimiert zu arbeiten. In dem Sinne nutze ich gerne mal den Handhobel um schnell eine Kante zu brechen oder Übergänge passend zu machen oder Holzmeißel für Nachbesserungen und Passarbeiten. Nach längerem Zögern habe ich mir nun den Veritas Flachwinkel Blockhobel gekauft und bin total begeistert. Dieser Hobel ist bereits zur Genüge von anderen Bloggern vorgestellt worden und ich werde das jetzt hier nicht wiederholen. Passend zu dem Hobel habe ich mir in einem Anfall von Größenwahn die Tormek T7 geleistet.

Nachdem ich mich seit einiger Zeit von allen möglichen Quellen über das Schärfen von Handwerkzeug informiert habe, war klar, dass keine der gezeigten Methoden mir richtig zusagte, von Schleifpapier über Ölsteine und Wassersteine, mit und ohne Führung und dem ganzen Gedöns mit Abrichten von Schleifsteinen. Es liegt an mir! Ich kann einfach keinen Ansporn finden um mich, wie gewohnt intensiv, in diese Materie einzuarbeiten und halbe Sachen mach ich nicht, also lass ich es einfach und bleibe ein "Schleif-Dummy"!

Als maschinelle Alternative zu einer kompletten Ausrüstung zum Schärfen mit Wassersteinen, passte die Tormek T3 in ein vergleichbares Budget. Als ich aber beim Händler meines Vertrauens die beiden Tormeks nebeneinander sah, relativierte sich der Mehrpreis der T7 ganz schnell und ich habe zugegriffen. Die Maschine steht zur Zeit noch in einem anderen Kellerraum.


Als einzige Option habe ich noch die Schleifführung für (kurze) Messer gekauft was sich als absoluter Glücksgriff herausstellte, denn die Frau im Hause war noch am gleichen Tag überzeugt von den Vorteilen der getanen Anschaffung und wollte nicht einmal den Preis wissen. Alle Küchenmesser waren schnell geschärft und das erste Pflaster bereits am nächsten Tag an einem Finger meiner Frau zu sehen. Ironischerweise legt Tormek ein paar Pflaster bei:


Eine weitere Überraschung birgt das Formteil in dem das Zubehör verstaut ist, denn es lässt sich an die Wand schrauben. Somit bleibt die Ordnung platzsparend erhalten.


Für meinen ersten Versuch habe ich einen meiner Holzmeißel für's Grobe geholt. Bis jetzt habe ich ihn immer freihand am Tellerschleifer geschärft. Das Abrichten der ramponierten Spiegelseite hat etwa 15min gedauert und das Korrigieren des Winkels, Schärfen und Abziehen etwa 10min. Die obligate Testrasur des Unterarmes bestätigte eine mir bis dato unbekannte Schärfe!

Die Tormek ist Dank Führung und Winkellehre leicht zu bedienen. Ungewollte Fehler sind systembedingt ausgeschlossen. Das Schleifen erfolgt entweder in Richtung der Schneide, oder gegen die Schneide. Es gibt zu diesem Thema jede Menge Meinungen und ich habe mich einfach an die von Tormek vorgeschlagene Methode gehalten und schleife die Fase in Gegenrichtung zur Schneide. Die Spiegelseite kann an der planen Seite des Steines abgerichtet werden. Das geht am besten, aber nicht am schnellsten, in Richtung der Schneide.

Die Fase erhält, durch das Schleifen am Umfang der Schleifscheibe, unwillkürlich eine leichte Hohlkehle was sich aber nicht negativ auf die Schärfe auswirkt. Der Grat entsteht beim Schärfen auf der Spiegelseite und wird beim Abziehen entfernt oder, falls etwas größer, zur Fase hin umgebogen. Je nachdem wieviel man an einem Eisen herumschleift bedarf es später wechselseitigem Abziehen um den Grat loszuwerden.

Zuerst habe ich versucht das Eisen in der Führung zu lassen beim Abziehen. Das wurde aber schnell zu umständlich und ich bin dazu übergegangen nach Gefühl und Gehör freihand abzuziehen was schnell geht und immer gelingt. Wenn man das Eisen mit der hinteren Kante der Fase an die Abziehscheibe bringt und dann langsam nach vorne kippt, dann spürt und hört man wenn die Abziehscheibe sich in die, beim Schleifen entstandene, Hohlkehle schmiegt.. Wenn man nun das Eisen noch ein klein wenig nach vorne kippt, dann spürt und hört man wie der eventuell vorhandene umgebogene Grat entfernt und die Schneide poliert wird. Dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Ähnlich verfahre ich beim Abziehen der Spiegelseite wenn ich das Eisen oben auf die Abziehscheibe auflege und mich nach vorne zur Schneide vorarbeite, dann hört man wenn der Grat erfasst und umgebogen oder wegpoliert wird. Wenn man über diesen Punkt hinweg geht, dann verliert man wieder an Schärfe und erhält eine abgerundete Schneide.

In folgendem Video zeige ich den kompletten Prozess:



Die Maschine läuft sehr leise und man kann entspannt daran arbeiten. Entweder liegt es an einer anatomischen Besonderheit bei mir, oder ich habe nicht verstanden warum man beim Schleifen hinter der Tormek stehen soll. Jedenfalls komme ich ganz gut zurecht wenn ich davor stehe. Alles hinterlässt einen hochwertigen und durchdachten Eindruck. Sicher ist es für mich totaler Overkill gemessen an der Häufigkeit der Nutzung, aber es macht richtig Spass und das Ergebnis sind immer scharfe Werkzeuge (und Küchenmesser).

Kommentare:

  1. Hallo Mark,
    schönes Video. Ich habe auch schon überlegt, ob ich mir eine Tormek kaufen soll. Ich brauch sie auch für meine Drechseleisen. Gibt es einen markanten Unterschied zur Tormek T3? Die ist ja doch einiges günstiger und laut Beschreibung kann man damit das gleiche machen und es gibt das selbe Zubehör.
    Gruß Achim

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  2. Unterschiede: T3: Plastikgehäuse vs 3mm Stahlblech bei T7
    T3 Motor nur für 30min Dauerlauf geeignet: 30min sind sehr schnell um wenn man in Serie schleift/schärft
    Kleinstes Übel: der Steinpräparierer ist bei der T3 optional
    Rein subjektiv sieht die T3 neben der T7 aus wie ein Spielzeug ;-)

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  3. Hallo Mark,
    zu ersteinmal gefällt mir Dein Blog sehr gut und ich finds toll, dass es so viele Blogs gibt in denen Gleichgesinnte posten. Man findet überall immer mal wieder Dinge die man gebrauchen kann.

    Kann übrigens Tormek jedem empfehlen. Ich persönlich habe zwar "nur" die T3, bin aber vollkommen zufrieden. Die 30 Minuten hab ich bis jetzt erst ein oder zwei mal erreicht. In Serie schleifen tue ich nicht, ich schärfe eher nur bei Bedarf.

    Gruß Stefan

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