Sonntag, 1. März 2015

Schwalbenschwanzzinken von Hand: Teil 2 - Teilung

Schwalben oder Zinken zuerst? Wenn man die Suchmaschine bemüht, dann kriegt man dazu Lesestoff für ein paar Abende. Interessanterweise lernen wir, jedenfalls in Deutschland und Luxemburg, dass bitteschön die Zinken zuerst gesägt werden. In anderen Ländern scheint es genau umgekehrt zu sein. Die hier gezeigte Methode funktioniert aber eh nur wenn die Schwalben zuerst gesägt werden, also ignorieren wir die Frage.

Für die Einteilung bevorzuge ich die anarchische Vorgehensweise: was gefällt ist schön! Vergessen Sie also vorerst die 2 Teile Schwalbe 1 Teil Zinken usw.! Wenn jeder es nach Lehrbuch macht, dann sehen alle Verbindungen gleich aus und man hätte gleich zur Schablone und Oberfräse greifen können. Das Einzige was man jedoch beachten sollte ist die Schräge der Flanken der Schwalben/Zinken mit einer Steigung von etwa 1:7 bis 1:6 oder etwa 8° bis 10°.

Reißen wir denn nun wenigstens die Schwalben an um die richtige Schräge zu treffen? Nicht unbedingt! Auch hier werden Sie sich wundern wie schnell sich ein Gefühl für den richtigen Winkel einstellt. Nehmen Sie also die Bretter aus Teil 1 und sägen Sie den "Kamm" ab. Zeichnen Sie wiederum die Sägetiefe an und sägen Sie schräg nach unten bis zum Riss. Achten Sie darauf, dass Sie den rechten Winkel an der Stirnseite einhalten. Das geht sehr gut wenn Sie die Säge, wie in Teil 1 gezeigt, zuerst rechtwinklig aufsetzen, leicht (ein paar 1/10 Millimeter) einsägen und dann um etwa 8° bis 10° kippen und bis zum Riss sägen.

Anreissen der Sägetiefe

Säge wie in Teil 1 ansetzen und ausrichten

Ein paar 1/10mm einsägen
 
Säge um 8° bis 10° kippen und bis zum Riss sägen


Mit einer Schmiege kontrollieren *)
*) Um die Schmiege einzustellen gehen Sie wie folgt vor: Markieren Sie an einem Brett eine Steigung von 1:6 bis 1:7 und greifen Sie den Winkel mit der Schmiege ab.


Die Teilung können Sie auf mehrere Art und Weisen machen. Die einen benutzen dazu den Zirkel, andere die klassische Methode, noch andere nur ihr Augenmaß. Da der Schwerpunkt meiner Herangehensweise eher praktischer als theoretischer Natur ist, rate ich Ihnen dazu Ihrem Augenmaß zu trauen für Ihre ersten Versuche. Nehmen wir nochmals die Übungsbretter und sägen die schrägen "Kämme" ab. Markieren Sie das Schwalbenbrett auf der Außen/Sichtseite mit einem "S", und das Zinkenbrett, ebenfalls auf der Außen/Sichtseite mit einem "Z". Zeichnen Sie mit einem Bleistift (nicht mit dem Streichmaß!) und mithilfe des Zinkenbrettes die Sägetiefe am Schwalbenbrett auf der Sichtseite an. Spannen Sie das Schwalbenbrett hochkant ein und markieren Sie ganz frei die Positionen der Schwalben an der Stirnseite. Dazu reicht eine kleine Markierung.



Alternative: Ich plane ja meine Möbel immer detailliert durch in Sketchup, also liegt es auf der Hand gleich die Verbindungen mit zu planen. In Sketchup erhält man so eine Idee für das Erscheinungsbild und kann sehr einfach einige Alternativen ausprobieren.


Im nächsten Teil wird die Verbindung gesägt, gestemmt und verputzt. Schärfen Sie also schon mal Ihre Stemmeisen.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Schwalbenschwanzzinken von Hand: Teil 1 - richtig sägen

In diesem Teil geht es darum einen Teil der Voraussetzungen zu schaffen damit die Schwalbenschwanzzinkung gelingt. Dazu gehört absolut genaues Sägen, nicht unbedingt am Riss sondern gerade, rechtwinklig oder in einem definierten Winkel! Die Methode die ich hier aufbaue kommt ohne viel Anreißen aus. Durch die Freiheit nicht am Riss sägen zu müssen kann man sich viel besser auf den eigentlichen Schnitt konzentrieren.

Probieren Sie es aus: Nehmen Sie ein vierseitig parallel gehobeltes Brett von etwa 20mm Dicke mit wenigstens einer rechtwinklig abgelängten Stirnseite. Markieren Sie auf beiden Seiten und parallel zur Kante der Stirnseite eine Sägetiefe von etwa 20mm mit dem Bleistift.


Spannen Sie nun das Brett hochkant in die Werkbank und sägen Sie bis zum Riss, rechtwinklig zur Vorderkante und rechtwinklig nach unten. Widerstehen Sie der Versuchung den Sägeschnitt anzureißen, weder stirnseitig, noch auf der Vorderseite. Vertrauen Sie ihrem Augenmaß und folgendem Trick und Sie werden staunen wie schnell Sie den rechten Winkel treffen! In der Flanke der Säge spiegelt sich die Stirnseite des Bretts. Richten Sie das Spiegelbild so aus, dass es die genaue Fortsetzung der Stirnseite des Brettes zeigt und die Kanten fluchten.

Nach links verdreht, richtig, nach rechts verdreht

Nach links gekippt, richtig, nach rechts gekippt

Noch etwas Allgemeines zum Starten des Sägeschnittes. Setzen Sie das vordere Ende der Säge sachte auf und zwar so, dass alle Zähne aufliegen. Heben Sie dann die Säge um Haaresbreite hinten an. Starten Sie nun die Säge mit einem entschiedenen aber leichten Stoß nach vorn ohne Druck nach unten auszuüben. Ziehen Sie keinesfalls die Säge zurück um den Schnitt zu starten denn dies führt zu einer Kerbe mit geriffeltem Grund was es nur erschwert den Schnitt zu starten. Der Daumen(nagel) der freien Hand führt die Säge.


Machen Sie jeden Schnitt ohne Unterbrechung bis zum vorderen Riss und achten Sie dabei auf das Spiegelbild. Je weniger es wackelt, desto besser sägen Sie und desto sauberer werden die Flanken. Nur am Rande bemerkt: Sie haben die volle Länge der Säge bezahlt, also nutzen Sie sie auch! Überprüfen Sie nach dem Sägen mit einem Schreinerwinkel ob Sie den rechten Winkel in beiden Ebenen getroffen haben und ob der Schnitt auch auf der Rückseite möglichst genau an den Riss gelangt. Dies gelingt wenn man sich angewöhnt "flach" zu sägen, d.h. das Sägeblatt steht in jedem Moment der Bewegung in einem rechten Winkel zur Fläche des Bretts und führt eine möglichst geradlinige Bewegung aus ohne zu "schaukeln".

"Flach" sägen (Schreinerwinkel nur zur Veranschaulichung!)

Da Sie ja an keinem Riss entlang sägen müssen, können Sie sich darauf konzentrieren, dass die Säge "läuft" ohne zu verkanten. Jegliches "Bremsen" der Säge ist ein Zeichen dafür, dass Sie die Säge im Schnitt verkanten. Dies führt unweigerlich zu unsauberen Flanken und später zu einer ungenauen Passung der Verbindung. Streben Sie immer danach die Verbindungen so zu sägen, dass Sie später NICHT mit dem Stechbeitel die Flanken nacharbeiten müssen.

So, jetzt üben, üben, üben! Erst wenn das Sägen klappt hat es einen Zweck weiter zu machen. Im nächsten Teil wird es einfacher weil dann die Schwalben gesägt werden. Dazu braucht man nur einen rechten Winkel zu treffen. In dem Teil zeige ich auch die Teilung der Schwalben/Zinken.

Am Ende der Serie gibt es dann auch ein Video, aber ohne laufende Stoppuhr :-).

Montag, 19. Januar 2015

Schwalbenschwanzzinken von Hand: Prolog

Es hat alles keinen Zweck! Das Meisterstück muss handgezinkte Verbindungen enthalten und lamentieren bringt gar nichts, also ran an die Werkbank und üben.

Die letzten Jahre habe ich mir dutzende Videos zu diesem Thema angeschaut und es war keine Methode dabei die mich vollends überzeugt hat. Über die Zeit ist aber meine Methode im Hinterkopf gereift und dieses Video von Rob Cosman lieferte das letzte Teil des Puzzles.

Klar gibt es da draussen Leute die die Kaffeetasse nicht einmal abstellen müssen um perfekte Schwalbenschwanzzinken hinzubekommen aber wieviel Übung steckt wohl dahinter und sind die Verbindungen wirklich so perfekt? Mit jedem Video was mir angeschaut habe hat sich mein Blick geschärft und ich wurde doch etwas skeptisch ob alles Gezeigte immer so authentisch war. Ist euch schon aufgefallen, dass es am Ende der Videos kaum Großeinstellungen gibt? Warum wohl ist das Schwalbenbrett oft nur halb so dick wie das Zinkenbrett? Gerne wird auch weiches Holz genommen, entweder für beide Bretter oder aber zumindest für das Schwalbenbrett!

Keinesfalls möchte ich das Können der Leute die solche Anleitungsvideos mit "perfektem" Resultat veröffentlichen in Frage stellen, aber die Perfektion stellt sich nicht von alleine ein sondern erst nach sehr viel Übung. Der Anfänger der aber im Unglück zu 20mm dicken Eichenresten greift für seinen ersten Versuch wird aber mit größter Wahrscheinlichkeit kläglich versagen!

Ich möchte in dieser Serie, total ungewohnt übrigens komplett ohne Maschinen (!), die Herstellung von Schwalbenschwanzzinken in allen möglichen Details belichten und eine Methode aufbauen die es dem motivierten Anfänger ermöglicht diese "sagenumwobene" Verbindung sicher und wiederholgenau präzise herzustellen!

Fangen wir an mit dem Resultat! Eure erste Schwalbenschwanzzinkung könnte so aussehen:


Zu schön um wahr zu sein? Es kann klappen, vorausgesetzt die Vorarbeit ist gemacht. Absolut notwendig ist gutes, scharfes Werkzeug: Ein Satz Stecheisen und ein Klüpfel, eine (Zinken)Säge, ein Bleistift sowie ein Streichmaß mit Rollenmesser (!). Genauso notwendig ist der geübte Umgang mit diesem Werkzeug! Wie, was soll das denn jetzt heissen? Die Säge ist mit am wichtigsten, denn nur wer absolut gerade sägt wird auch die Zinken hinbekommen und ja, ich bevorzuge die klassische Säge gegenüber der japanischen Säge, dazu aber mehr im nächsten Teil.


Wie bereits anfangs angedeutet ist (fast) nichts an dieser Methode auf "meinem Mist gewachsen" sondern es sind die, meines Erachtens nach, besten "Praktiken" die ich zusammenwürfle und praxisgerecht verpacke. Falls doch jemand entdeckt, dass vermeintlich von mir beigesteuerte "Zutaten" doch schon längst bekannt waren, würde ich mich freuen auf entsprechende Hinweise.

Noch was in eigener Sache

Es wäre müssig zu wiederholen, dass ich viel um die Ohren habe. Meine regelmässigen Leser wissen was ich meine. Es gefällt mir natürlich genauso wenig wie euch, dass ich momentan nicht mehr neue Inhalte bieten kann auf dieser Seite. Ich hoffe aber, dass ihr Spass haben werdet an dieser, für meine Verhältnisse, etwas untypischen Serie teilzunehmen und ich freue mich auf euer Feedback.

Bis bald, zum ersten Teil "die Säge" ...